Nikolaus Habjan

Nikolaus
Habjan

„Passt! Ich glaube der Puppe!“Im Gespräch mit dem Regisseur Nikolaus Habjan
 

Lieber Nikolaus, kannst du dich noch an deine erste Begegnung mit dem „Faust“-Stoff erinnern? 

Zu „Faust“ kam ich über meinen Großvater, der mir die ​Geschichte von Dr. Faustus erzählt hat und mir auch Goethes Version näherbrachte. Ich war schon als Kind sehr davon fasziniert, wie es wohl wäre, Mephisto gegenüberzustehen.

Was hat dich nun daran interessiert, gerade den „Faust“ als Schauspiel mit Puppen auf die Bühne zu bringen? 

Die Geschichten um Dr. Johann Faustus sind uralte, seit jeher sehr beliebte Stoffe für das Puppentheater. Es liegt ja eigentlich auch auf der Hand, diesen Stoff mit Puppen zu erzählen, geht es doch darum, zwei einander gegenüberstehende Welten darzustellen, die irdische und die über- bzw. unterirdische, und dabei die Konstellation Gott – Mensch – Teufel auf die Bühne zu bringen.  

Wie geht man denn an einen solchen Klassiker heran, der definitiv zu den meistrezipierten, meistinterpretierten Dramen im deutschsprachigen Raum zählt? 

Mir ging es bei dieser Inszenierung vor allem darum, auch ein Theatererlebnis für Jugendliche – und Erwachsene – zu schaffen, die mit dem „Faust“ bisher noch nichts zu tun hatten, ihn vielleicht sogar zum ersten Mal sehen. Mein Bestreben ist es, zu begeistern und die Lust am Theater zu entfachen und zu fördern.

In meiner Schulzeit wurden meine Klassenkollegen und ich ja durch schreckliche Theaterbesuche gequält und so traumatisiert, dass viele meiner ehemaligen Schulfreunde Theater bis heute als unangenehme Erfahrung abgespeichert haben. Gerade „Faust“ ist ein Stoff bzw. einer jener „großen Klassiker“, der durch schlechte Vorbereitung (u. a. der DeutschlehrerInnen) schnell zu einem spröden und langweiligem Erlebnis werden kann, was dieser Stoff aber absolut nicht ist! Und genau das versuche ich zu zeigen. 

Was macht dieses Drama und seine Themen und Konflikte für dich zeitlos bzw. gerade für ein junges Publikum heute noch interessant? Wo sind da die Anknüpfungspunkte bzw. inwiefern spielt diese Zielgruppe da eine Rolle für dich?

Ich finde, es ist nicht allzu schwer, hier Anknüpfungspunkte zu finden: Heinrich Faust steht am Beginn des Stückes vor einem Dilemma: Er hat sein ganzes Leben vergeudet, um sich sämtliches Wissen anzueignen, und jetzt, am Ende seiner Zeit auf Erden, begreift er seinen Irrweg und fragt sich: Was wäre, wenn man doch noch einmal jung sein könnte? Wo geht es hin, wo soll es hin? Ich denke, Jugendliche stehen vor einer nicht weniger schwierigen Situation: Alles ändert sich, Geist, Interessen, Verhältnisse, Körper. Sie haben ihr Leben ja noch vor sich und müssen auch erstmal entscheiden, was sie wollen, was wichtig ist, wo es hingehen soll usw. Und sobald dann das junge Gretchen die Bühne betritt, werden sich hoffentlich noch zahlreiche weitere Anknüpfungspunkte finden ...

Bei dieser Produktion sind ja (bis auf deine Kollegin Manuela Linshalm, die den Mephisto verkörpert) vor allem DarstellerInnen dabei, die noch nicht viel Erfahrung im Puppenspiel haben – wie kann man sich da die Annäherung bzw. das Proben vorstellen?

Ganz einfach: Wer Lust hat, dem wird eine Puppe in die Hand gedrückt –  und bei der riesigen Motivation, die mir da jeden Tag auf der Probe entgegenschwappt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich voller Stolz sagen kann: „Passt! Ich glaube der Puppe!“

 

Das bin ich!

That is me

Mehr Details

Der gebürtige Grazer schloss im Juni 2010 sein Studium der Musiktheaterregie an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien  mit der Inszenierung Gian Carlo Menottis „The Medium" mit ausgezeichnetem Erfolg ab.

Bereits mit 15 Jahren sammelte er Erfahrungen mit dem Puppentheater. Durch Neville Tranter perfektionierte er seine Puppenspieltechnik.  Im Schubert Theater realisierte Nikolaus Habjan seine erste  Puppentheater-Produktion „Schlag sie tot". Aktuell ist er in den Puppentheaterproduktionen „Der Herr Kar"l, „Becoming Peter Pan – An Epilogue to Michael Jackson" , „Don Quijote" , in der Filmadaption „Freaks" und in „Sechs Österreicher unter den ersten fünf" nach dem Buch von Dirk Stermann zu sehen.

„F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig", sein Solo-Stück in der Regie von Simon Meusburger wurde  mit dem Nestroy Preis 2012 als beste Off Produktion ausgezeichnet und erhielt 2014 den Badener Grünschnabel.

Am Burgtheater Wien spielte er in der Shakespeare-Sonette Produktion „Fool of Love" die von ihm gestaltete Shakespeare-Puppe,am Akademietheater die von ihm gebaute Figur der Elfriede in „Schatten (Eurydike sagt)" in der Regie von Matthias Hartmann.

2014 inszenierte er am Schauspielhaus Graz „Das Missverständnis“ von Albert Camus mit Puppen und Schauspielern.

Daneben tritt Habjan als Kunstpfeifer und Puppenspieler mit der Musikbanda Franui und dem  Concilium musicum Wien auf.