Michael
Schilhan

"DER THEATERDIREKTOR"

KINDERREPORTER RAFAEL (11) HAT DEN INTENDANTEN DES JUGENDTHEATERS NEXT LIBERTY INTERVIEWT. MICHAEL SCHILHAN ERZÄHLT, WAS EIN INTENDANT MACHT.

RAFAEL: SIE SIND INTENDANT AM JUGENDTHEATER NEXT LIBERTY. WELCHE AUFGABEN HAT EIN INTENDANT?

Michael Schilhan: Der Intendant ist so etwas wie der Theaterdirektor. Er entscheidet, welche Stücke gespielt werden, welche Schauspieler kommen, wer das Bühnenbild macht und ist fürs Geld verantwortlich.

WIE VIELE LEUTE ARBEITEN IM NEXT LIBERTY?

Schilhan: Zwischen 30 und 50 Leute. Wenn wir das Kindermusical in der Oper haben, sind wir mehr, dann wieder weniger. Fix sind wir 30.

VERTEILEN SIE AUCH DIE ROLLEN?

Schilhan: Ja. Bei uns gibt es ein Ensemble (sprich: osombl), so nennt man die Gruppe der fix angestellten Schauspieler. Ich teile dann zum Beispiel zu: Du spielst den Prinzen, du den Bösewicht, du die Prinzessin.

WAS HEISST ES, EIN STÜCK ZU INSZENIEREN?

Schilhan: Zuerst sucht man ein Stück von einem Autor aus oder lässt extra ein Stück schreiben. Dann schaut man, wer die Rollen gut spielen könnte. Man setzt sich mit dem Kostümbildner und dem Bühnenbildner zusammen und heckt gemeinsam aus, welche Form das alles haben soll. Und dann probiert man das Stück. Man braucht auch jemanden für das Licht, für den Ton und einen Theaterkomponisten, der die Musik macht. Nach sechs bis sieben Wochen proben ist dann Premiere, also die erste Vorstellung.

WAS IST, WENN EIN SCHAUSPIELER ERKRANKT?

Schilhan: Das ist ziemlich unangenehm, weil bei uns niemand einfach von jemand anderem ersetzt werden kann. Ich kann nicht spontan anrufen und fragen, ob jemand sofort eine andere Rolle übernimmt. Ersatz wie in der Oper gibt es nicht. Im Theater haben wir keine erste und zweite Besetzung. Das Eigenartige ist: Es ist fast wie bei Lehrern, Schauspieler werden ganz selten krank.

WAS PASSIERT, WENN EIN SCHAUSPIELER SEINEN TEXT VERGISST?

Schilhan: Wir haben keinen Souffleur (sprich: sufflör), der in einem in der Bühne versenkten Kasten sitzt, den Text mitliest und einflüstern könnte. In der Oper wird sehr oft eingesagt. Dort ist das Orchester auch sehr laut, man hört den Einsager nicht. Weiß jemand nicht weiter, gibt’s einen Trick. Ein Schauspieler vergisst zum Beispiel den Satz „Ich gehe nach Hause“. Dann sagt der andere „Sie wollten doch sagen, dass sie nach Hause gehen.“ So hilft man einander weiter. Schauspieler müssen aber auf jeden Fall sehr fit im Kopf sein. Deshalb müssen sie auch ganz viel schlafen.

DAS NEUE STÜCK, DAS SIE INSZENIERT HABEN, IST „FRERK, DU ZWERG!“ WARUM AUSGERECHNET DIESES STÜCK?

Schilhan: Weil mir das Kinderbuch und die Zeichnungen dazu sehr gefallen haben. Dann haben wir aus dem Text ein Theaterstück gemacht. Es geht um einen Buben, der ausgespottet wird, aber ganz viel Fantasie hat. Das ist sehr lustig, weil er mit seiner Fantasie die Menschen um sich herum ganz schön verwirrt. Daran sieht man: Es ist im Leben ganz wichtig, dass man Fantasie hat, träumen und Dinge erfinden kann.

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Mehr Details

Michael Schilhan wurde 1964 in Judenburg geboren und ist in Wartberg/Mürztal aufgewachsen. Kulturmanagement-Studium an der Johannes Kepler Universität Linz. Studienaufenthalte In Moskau (GITIS-Institut). An die 60 Inszenierungen, im Schauspiel und Musiktheater u. a. für das Festival steirischer herbst 99, das Volkstheater Wien, das Internationale Haydn Festival in Eisenstadt, das Salzburger Landestheater, das Festspielhaus St. Pölten, das Klagenfurter Ensemble, Volksoper Wien, Oper Graz u.a.m. 1998 erhielt Michael Schilhan beim europäischen Wettbewerb für Regie und Bühnenbild des Wagner Forum Graz den Publikumspreis und den Förderungspreis. Vortragstätigkeiten, ICCM Salzburg, National University Taipeh und National University Kaohsiung, Tokio Voice Academy, in Osaka, Kyoto, Nagoya und Hiroshima. Teatr »Ratscho Stojanov«, Gabrovo Bulgarien u.a.m.

An der Oper Graz inszenierte Michael Schilhan bislang »Der Wildschütz«, »Zar und Zimmermann«, »Die lustigen Weiber von Windsor«, »My Fair Lady« und »Der Vogelhändler«.

Michael Schilhan ist seit der Saison 2001/2002 Künstlerischer Leiter des Grazer Jugendtheaters Next Liberty, seit 1. September 2004 dessen Geschäftsführender Intendant.

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